Häufig gestellte Fragen

Ist Rückstau aus dem öffentlichen Kanal denn überhaupt möglich?

Eindeutig JA, bei fast allen Kanalnetzen handelt es sich um einen planmässigen, dass heisst durchaus auch gewollten Zustand, der zum Beispiel bei stärkeren Regenereignissen regelmässig auftritt. In einem Abwasserkanal (egal ob Schmutz-, Regen- oder Mischwasser) können aber auch jederzeit Verstopfungen auftreten, die dann zu einem Rückstau führen.  

Müssen öffentliche Kanäle denn nicht immer so funktionieren, dass keine Überflutungen auftreten?

Eindeutig NEIN, aus technischen und Kostengründen werden öffentliche Kanäle so geplant und gebaut, dass sie nur bis zu Regenereignissen einer bestimmten Stärke noch einwandfrei funktionieren. Für stärkere Regenereignisse wird ein Versagen des Systems ganz bewusst hingenommen. Dies entspricht dem Stand der Technik und ist auch sinnvoll, da dem privaten Anschlussnehmer technische Möglichkeiten zur Verfügung stehen, um sich gegen Rückstau zu schützen. Und da der Anschlussnehmer über die Abwasserbeiträge und -gebühren das öffentliche Kanalnetz finanziert, ist diese Lösung für ihn sogar erheblich preiswerter.

Wie wurden Kanäle früher geplant und gebaut?

In der Regel so, dass bei relativ häufigen (meist einjährigen) Regenereignissen das Kanalrohr nur zu maximal 90 Prozent gefüllt war. Dieser Zustand wurde rechnerisch mit einem ziemlich ungenauen Verfahren nachgewiesen. Aus den Ungenauigkeiten des Bemessungsverfahrens und der begrenzten Teilfüllung ergaben sich nicht definierte Sicherheiten gegen Überstau und Überflutungen, so dass die Kanäle tatsächlich dann viel seltener überlastet waren.

Wie werden Kanäle heute geplant und gebaut?

Für kleine Entwässerungssysteme ist immer noch das früher übliche Verfahren zulässig. Alternativ möglich und für grössere Systeme zwingend sind Simulationen mit Modellrechnungen im Computer. Diese Verfahren sind erheblich genauer und können die Abflussvorgänge im Kanalnetz sehr präzise darstellen. Massgebendes Kriterium ist nicht mehr die Füllung zu maximal 90 Prozent, sondern dass der Kanal nicht häufiger als nach dem Gesetz zulässig überstaut. Da die Berechnungsverfahren weniger verfahrenseigene Sicherheitsreserven bieten, wird gegenüber dem früher üblichen Verfahren mit deutlich stärkeren Bemessungsregen gerechnet.  

Welche Rechtsgrundlage gibt es?

Massgebend ist meist die sogenannte Entwässerungssatzung der Stadt oder Gemeinde. Es handelt sich um sogenanntes Ortsrecht und die Satzung stellt damit für die Bürger einer Stadt eine rechtsverbindliche Form dar. In den meisten Entwässerungssatzungen findet sich sinngemäss folgender Satz: "Gegen Rückstau aus den öffentlichen Abwasseranlagen hat sich jeder Anschlussnehmer selbst nach den jeweils anerkannten Regeln der Technik zu schützen".

Was ist die sogenannte Rückstauebene und wo liegt sie?

Dies ist die Höhe, bis zu der das Abwasser in den öffentlichen Abwasseranlagen bei planmässigen und unplanmässigen Betriebszuständen ansteigen kann und darf. Die Rückstauebene wird immer von der Kommune festgelegt, meist findet sich in den Entwässerungssatzungen sinngemäss folgender Satz: "Soweit nicht anders festgelegt gilt als massgebende Rückstauebene die Strassenhöhe an der Anschlussstelle."

Gibt es Unterschiede bezüglich des öffentlichen Entwässerungssystems?

Grundsätzlich NEIN, die Sicherung gegen Rückstau ist erforderlich, unabhängig davon, ob man an ein Trenn- oder Mischsystem angeschlossen ist. Beim Trennverfahren müssen Sie sich in der Regel gegen Rückstau aus dem Schmutzwasserkanal, in einigen Fällen aber auch gegen Rückstau aus dem Regenwasserkanal schützen. Dies ist z.B. dann der Fall, wenn ein Hofeinlauf unterhalb der Rückstauebene liegen.  Hinsichtlich der technischen Ausführung der Rückstausicherung gibt es je nach Verfahren allerdings grosse Unterschiede.

Kann ich jedes Haus gegen Rückstau sichern?

Eindeutig JA, der hierzu erforderliche Aufwand ist aber sehr stark von der Art des Hauses und seiner Lage zum städtischen Kanalnetz abhängig.

Welche Ablaufstellen muss ich sichern?

Alle Ablaufstellen für Schmutzwasser oder Regenwasser, die unterhalb der Rückstauebene liegen, müssen gegen Rückstau gesichert werden.

Welche Ablaufstellen darf ich nicht gegen Rückstau sichern?

Ablaufstellen, die oberhalb der Rückstauebene liegen, sind nach DIN EN 12056 mit freiem Gefälle hinter einer Rückstausicherung an die Hausanschlussleitung anzuschliessen. Würde man diese Ablaufstellen in Fliessrichtung vor der Rückstausicherung einleiten, so würden die Abwässer aus den hochliegenden Ablaufstellen bei geschlossenem Rückstauverschluss aus den Ablaufstellen unterhalb der Rückstauebene aus-treten und den Keller fluten. Für bestimmte ältere Häuser (z.B. Flachdach mit innen-liegenden Fallrohren) sind Sonderlösungen erforderlich.

Ist der Einbau einer Rückstausicherung einfach?

NEIN, die Sicherung gegen Rückstau ist eine Angelegenheit, bei der jedes Detail beachtet werden muss. Kleinste Fehler können dazu führen, dass die gesamte Schutzeinrichtung nicht funktioniert. Und im Extremfall steht dann das neu eingerichtete Untergeschoss bis zur Decke unter Wasser.

Wie unterscheiden sich die marktüblichen Rückstausicherungen?

Hinsichtlich des Systems: Systeme, die nur den Durchfluss verschliessen (nur im Ausnahmefall zulässig) Systeme, die auch bei verschlossenem Durchfluss das Abwasser aus dem Haus in den städtischen Kanal pumpen (Hebeanlagen) Hinsichtlich des durchfliessenden Abwassers: Systeme für fäkalienhaltiges Abwasser Systeme für fäkalienfreies Abwasser Hinsichtlich der Technik: Schiebertechnik, eine Absperrplatte schiebt sich in den Abflussquerschnitt Klappentechnik, eine Absperrplatte klappt in den Abflussquerschnitt Quetschventile, das Rohr besteht auf einer kurzen Länge aus Gummi und wird von aussen (z.B. mit Druckluft) zusammengedrückt Hebeanlagen, bei denen das unter der Rückstauebene anfallende Abwasser mit einer Pumpe über die Rückstauebene gehoben wird (Rückstauschleife) Hinsichtlich der Bedienung: Systeme, die bei auftretendem Rückstau automatisch schliessen Systeme, die manuell geschlossen werden müssen (nicht zulässig)

Welche Hersteller bieten Rückstauverschlüsse und –sicherungen an?

www.sensomat.ch
www.sentex.de
Beachten Sie dazu auch unsere Linkempfehlungen "Planung Rückstausicherung"

Wie komme ich an eine gute Beratung und Ausführung?

Bei den meisten Kommunen finden Sie eine entsprechende Beratung, fragen Sie am besten nach dem Tiefbauamt, dem Abwasserwerk oder dem Abwasserbetrieb. Bei Neubauten lassen Sie sich bitte von Ihrem Architekten oder Fachplaner genau erklären, wie er den Rückstauschutz nach DIN EN 12056 und DIN 1986-100 geplant hat. Hinterfragen Sie möglichst jedes Detail. Gute Ansprechpartner sind auch gute Fachbetriebe für Heizung, Lüftung, Sanitär, die Ihnen die Anlagen auch einbauen können. Ingenieurbüros für Wasserwirtschaft. Bitte haben Sie aber Verständnis für ein erforderliches Honorar.

Was geschieht nach dem Einbau?

Wie jede technische Anlage muss auch die Rückstausicherung regelmässig und sorgfältig gewartet und gereinigt werden. Nach DIN EN 13564 zweimal pro Jahr. Nur so kann ein dauerhafter Schutz gegen Rückstau gewährleistet werden. Für den Fall, dass Sie versicherungstechnisch gegen Schäden aus Rückstau abge-sichert sein sollten, müssen Sie damit rechnen, dass bei einem Schaden von Ihnen der Nachweis über eine ausreichende Wartung verlangt wird. Erfahrungsgemäss wird dieser Punkt oftmals nicht ausreichend beachtet, so dass im Schadensfall der Versicherungsschutz gefährdet ist. Systembedingt bietet ein Rückstauschutz mit einer Hebeanlage (bei der das unterhalb der Rückstauebene anfallende Wasser mit Hilfe einer Pumpe über die Rückstauebene gehoben wird) hinsichtlich der Wartung Vorteile gegenüber Rückstauverschlüssen: Durch mangelhafte Wartung bedingte Systemfehler werden bei der Hebeanlage in jedem Betriebszustand erkannt. Bei Versagen ist der Schaden begrenzt, da der Schutz gegen Rückstau in der Regel nicht betroffen ist und nur das eigene Abwasser nicht abgepumpt wird. Systemfehler bei Rückstauverschlüssen werden dagegen meist nur im konkreten Rückstaufall erkannt. Und dann ist es meist zu spät. Im Versagensfall ist dann der Schutz gegen Rückstau nicht mehr gegeben. 


Beachten Sie bitte auch den kostenlosen Ratgeber zum Schutz von Gebäuden gegen Rückstau (PDF) aus dem öffentlichen Kanalnetz, welcher von Aqua-Bautechnik GmbH zur Verfügung gestellt wird.